22. September 2004 13:20

Steuerliche Berücksichtung von Aus- und Fortbildungskosten

von UE

Der Gesetzgeber hat die steuerliche Berücksichtigung von Aus- und Fortbildungskosten ab 2004 neu geregelt.

Bisher konnten Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung oder für die Weiterbildung in einem nicht ausgeübten Beruf lediglich bis zu 920 EUR jährlich als Sonderausgaben abgezogen werden. Dieser Betrag erhöhte sich auf 1.227 EUR, wenn der Steuerbürger wegen der Ausbildung oder Weiterbildung außerhalb des Ortes untergebracht wurde, in dem er einen eigenen Hausstand unterhielt (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG i.d.F. für 2003). Demgegenüber konnten Aufwendungen für die Fortbildung in einem ausgeübten Beruf seit jeher in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten abgezogen werden. Der Bundesfinanzhof hatte in den letzten Jahren die Abzugsmöglichkeit von Bildungsaufwendungen bei einem konkreten Zusammenhang mit künftigen steuerpflichtigen Einnahmen deutlich zugunsten der Steuerbürger von den beschränkt berücksichtigungsfähigen Sonderausgaben zu den voll abziehbaren Werbungskosten verschoben. Dies hat der Gesetzgeber - nicht zuletzt wegen der finanziellen Risiken für die öffentlichen Haushalte - zum Anlass genommen, die steuerliche Berücksichtigung von Aus- und Fortbildungskosten neu zu regeln.

Ab 2004 gehören Aufwendungen für die eigene erste Berufsausbildung und für ein (berufsbegleitendes) Erststudium an einer Universität, einer Hochschule, einer Fachhochschule oder an anderen Schulen mit staatlich anerkanntem Abschluss zu den Kosten der privaten Lebensführung (§ 12 Nr. 5 EStG i.d.F. des Gesetzes zur Änderung der Abgabenordnung und weiterer Gesetze v. 21.7.2004, BGBl I 2004 S. 1753). Diese Aufwendungen können nun bis zur Höhe von 4.000 EUR als Sonderausgaben abgezogen werden. Sie wirken sich somit nur dann steuermindernd aus, wenn man über steuerpflichtige Einkünfte verfügt. Bei Ehegatten gilt der Betrag von 4.000 EUR übrigens für jeden Ehegatten gesondert (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG i.d.F. des Gesetzes zur Änderung der Abgabenordnung und weiterer Gesetze v. 21.7.2004, BGBl I 2004 S. 1753).

Voll abziehbare Werbungskosten liegen - wie bisher - vor, wenn die erstmalige Berufsausbildung oder das Erststudium Gegenstand eines Ausbildungs-/Arbeitsverhältnisses ist. Außerdem können nun unabhängig von einem Arbeitsverhältnis die Aufwendungen für die Fortbildung in einem bereits erlernten Beruf, für Umschulungsmaßnahmen und für ein weiteres Studium (Zweitstudium) als Werbungskosten abgezogen werden, wenn sie in einem konkreten, objektiv feststellbaren Zusammenhang mit späteren steuerpflichtigen Einnahmen aus der angestrebten beruflichen Tätigkeit stehen. Zur Berücksichtigung von Aufwendungen im Zusammenhang mit einer auswärtigen Ausbildungs- oder Fortbildungsstätte gelten die allgemeinen steuerlichen Grundsätze. Danach sind Dienstreisegrundsätze maßgebend, wenn der Arbeitnehmer im Rahmen seines Ausbildungsdienstverhältnisses oder als Ausfluss seines Dienstverhältnisses zu Fortbildungszwecken vorübergehend eine außerhalb seiner regelmäßigen Arbeitsstätte im Betrieb des Arbeitgebers gelegene Ausbildungs- oder Fortbildungsstätte aufsucht. Ist die Bildungsmaßnahme Ausfluss des Arbeitsverhältnisses und befindet sich der Schwerpunkt der Umschulungsmaßnahme oder des weiteren Studiums in der Wohnung des Steuerpflichtigen (z.B. bei einem Fernstudium), ist die Wohnung regelmäßige Ausbildungsstätte. Gelegentliche Reisen zu anderen Ausbildungsorten sind als Dienstreisen zu behandeln. Liegt weder im Betrieb des Arbeitgebers noch in der Wohnung des Steuerpflichtigen eine regelmäßige Arbeits-/Fortbildungsstätte vor, ist der jeweilige Ausbildungsort vom ersten Tag an regelmäßige Arbeitsstätte.

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