30. April 2004 23:17

Privater PC als Arbeitsmittel

von JOERN

Aufteilung der Kosten nach dem Verhältnis von beruflicher und privater Nutzung

A, der bei einem Telekommunikationsunternehmen angestellt war, erwarb im Streitjahr (1997) einen PC für 1 798 DM, einen Scanner für 169 DM, einen Drucker für 328 DM sowie Verbindungskabel nebst anderen Kleinteilen für 179 DM. Die Aufwendungen für den PC machte A – ausgehend von einer dreijährigen Nutzungsdauer – anteilig i. H. von 599 DM, die Aufwendungen für Scanner, Drucker und das weitere Zubehör in vollem Umfang als Werbungskosten geltend. Das FA ließ den Abzug dieser Aufwendungen nicht zu, weil die PC-Anlage jedenfalls nicht so gut wie ausschließlich beruflich genutzt werde.

Der BFH ist der Auffassung des FA nicht gefolgt. Für die sog. „gemischten“ – d.h. teils beruflich, teils privat veranlassten - Aufwendungen gilt zwar die Regelung des § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG, nach der „Aufwendungen für die Lebensführung, die die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung mit sich bringt", auch dann nicht abgezogen werden dürfen, „wenn sie zur Förderung des Berufs oder der Tätigkeit des Steuerpflichtigen erfolgen". Das vom Großen Senat des BFH (Beschluss v. 19.10.1970 GrS 2/70, BStBl 1971 II S. 17) hieraus abgeleitete allgemeine Aufteilungs- und Abzugsverbot will der BFH jedoch auf die Kosten eines privat angeschafften und sowohl beruflich als auch privat genutzten PC nicht angewendet sehen. Er begründet dies mit der gesetzgeberischen Entwicklung (vgl. § 3 Nr. 45 EStG). - Bei einem PC, den sich ein Stpfl. privat angeschafft hat und den er in einem nicht unwesentlichen Umfang beruflich nutzt, darf hiernach die anteilige private Nutzung nicht zur vollständigen Versagung des Betriebsausgaben- bzw. Werbungskostenabzugs führen. Kann der Stpfl. eine nicht unwesentliche berufliche Nutzung des Gerätes nachweisen oder zumindest glaubhaft machen, so sind die Aufwendungen anteilig zu berücksichtigen. Bei einer privaten Mitbenutzung von nicht mehr als etwa 10 v.H. ist der PC ein Arbeitsmittel (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG); in diesem Fall können die gesamten Aufwendungen steuerlich geltend gemacht werden. In anderen Fällen ist der berücksichtigungsfähige Umfang der beruflichen Nutzung zu schätzen. Dabei kann unter bestimmten Voraussetzungen von einer hälftigen privaten bzw. beruflichen Nutzung ausgegangen werden. – Entsprechendes gilt auch für die „Peripheriegeräte“ einer PC-Anlage (Monitor, Drucker, Scanner u.s.w.). Zwar können Anschaffungskosten für geringwertige Wirtschaftsgüter i.S. des § 6 Abs. 2 Satz 1 EStG im Jahr der Anschaffung in voller Höhe als Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten geltend gemacht werden; bei den Peripheriegeräten handelt es sich jedoch in der Regel nicht um geringwertige Wirtschaftsgüter, da ihnen die in § 6 Abs. 2 Satz 1 EStG geforderte selbständige Nutzbarkeit fehlt.

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