27. Oktober 2008 22:30

Abgeltungsteuer - Hohe Freibeträge für Renten und Pensionen

von UWE ENGELMANN

Ruheständler müssen vor der Abgeltungsteuer keine Angst haben. Liegen ihre zu versteuernden Einkünfte unter 7 664 Euro, bleiben sie verschont und müssen auf Zinsen und Dividenden keine Steuern zahlen. Allerdings müssen die Rentner selbst beim Finanzamt aktiv werden.

Die Grenze bei knapp 8 000 Euro erscheint zunächst sehr niedrig. Vielen Senioren stehen aber hohe Freibeträge für Pension und Renten zu. Was sie letztlich wirklich ansetzen müssen, liegt unterm Strich meist viel tiefer als ursprünglich gedacht. Die Ruheständler müssen allerdings selbst aktiv werden und eine so genannte Nichtveranlagungsbescheinigung vorlegen.

Das funktioniert so: Die Bescheinigung lässt sich beim Finanzamt beantragen. Der Anleger muss dazu glaubhaft machen, dass er mit seinen voraussichtlichen Einkünften unter dem Sparer-Pauschbetrag liegt. Dabei sind alle Einkünfte aus Rente, Nebenjobs, Zinsen und Gewinne durch den Verkauf von Wertpapieren anzugeben. Am besten gleich die Steuerbescheide der vergangenen Jahre mitbringen. Anschließend geht es zur Hausbank, wo die Nichtveranlagungsbescheinigung vorgelegt wird, damit diese die Steuer gar nicht erst abführt.

Auch wer zu viel für eine komplette Befreiung verdient, kann sich einen Teil der Abgeltungsteuer zurückholen. Dann führt der Weg direkt über die Steuererklärung. Dies lohnt sich für Rentner, die unter einem zu versteuernden Einkommen von rund 15 000 Euro beziehungsweise einem Grenzsteuersatz von 25 Prozent bleiben. Beispiel: Ein Rentner verfügt über ein Jahreseinkommen von 10 000 Euro und Kapitaleinkünfte in Höhe von
5 000 Euro. Bisher muss er dafür rund 1 550 Euro Steuern zahlen. Wenn die Abgeltungsteuer greift, erhöht sich seine Steuerlast um gut 100 Euro. Über die Steuererklärung kann er sich das Geld zurückholen.

Etwa ein Fünftel der Senioren zählt zu den vermögenden Ruheständlern, deren Steuersatz schon heute über 25 Prozent liegt. Sie profitieren von der Abgeltungsteuer. Erst recht, wenn ihr Vermögen sichere Zinsanlagen und Immobilien enthält. Statt des persönlichen Steuersatzes von bis zu 42 Prozent zahlen sie ab 2009 nur noch 25 Prozent. Mitunter kann auch für wohlhabende Rentner der Altersentlastungsbetrag interessant sein. Dieser Freibetrag für Nebeneinkünfte steht allen zu, die am 1. Januar des Steuerjahres 64 Jahre alt sind. Sie kassieren dann bis zu 1 900 Euro steuerfrei.

Wer sein Vermögen an Kinder oder Enkel übertragen will, muss schnell handeln. Die Übertragung von Wertpapieren aus dem eigenen Depot wird ab 1. Januar 2009 wie ein Verkauf behandelt. Selbst bei einer unentgeltlichen Übertragung (Schenkung) ist die Bank verpflichtet, dem Finanzamt eine Mitteilung zu senden.

Nur solche Wertpapiere sind hiervon ausgenommen, die vor Ende dieses Jahres angeschafft werden. Um einer ungerechtfertigte Besteuerung dieser Papiere vorzubeugen, sollten Anleger alle Belege über Anschaffungskosten und Transaktionen gut aufbewahren. Banken dokumentieren Anschaffungsdaten erst ab dem kommenden Jahr. Ist der Nachweis der Daten nicht möglich, verlangt der Staat pauschal 25 Prozent vom Veräußerungsgewinn.

Keine Begrenzung

Eine Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) erhält jeder Anleger auf Antrag, der voraussichtlich nicht zur Zahlung der Einkommensteuer verpflichtet ist. Dazu zählen in den meisten Fällen Rentner und Studenten. Die NV-Bescheinigung wird beim zuständigen Finanzamt beantragt und gilt für maximal drei Jahre.

Durch die Vorlage der NV-Bescheinigung beim Geldinstitut wird kein Zinsabschlag an das Finanzamt abgeführt. Die Nichtveranlagungs-bescheinigung ist hinsichtlich der Höhe der vom Steuerabzug freigestellten Erträge anders als beim Freistellungsauftrag nicht begrenzt.

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